mit labanotation kann man jede form menschlicher bewegung aufzeichnen, sie ist nicht tanzideologisch gebunden (im gegensatz zu anderen tanzschriften wie z.b.: benesh notation die als basis den klassischen tanz englischer prägung nutzt). basis ist die natürliche menschliche bewegung, jede veränderung z.b. auswärts gedrehte beine muß notiert werden. dieser text enthält einige bilder, die auswärtsgedrehte beine zeigen, ohne das dies in den kinetogrammen vermerkt wäre. dies ist natürlich nicht korrekt, es ist aber geschehen, um die kinetogramme möglichst klein zu halten. für die bilder der tänzerin in diesem text gelten die ballett-vorzeichen.
dieser text handelt von labanotation in der form der "structural
description", einer schreibweise die versucht jeden aspekt der
bewegung möglichst genau festzuhalten. es gibt noch zwei weitere
systeme: "motiv description" und "effort-shape description". die
"motiv description" ist eine art vereinfachter "structural description",
man schreibt in ihr nur was man für wichtig hält. man kann z.b.
schreiben, daß es sich um eine nach vorne gerichtete bewegung
handelt, ohne zu sagen, ob man springen oder kriechen soll. die
"effort-shape description" dient zum aufzeichnen des energiegehalts
einer bewegung. sie kann sowohl in der arbeitsplatzforschung wie
in der physio- und psychotherapie eingesetzt werden.
2. das liniensystem ("stuff")
l = linke seite
c = mittellinie
r = rechte seite
1 = "support" spalte
2 = beingesten spalte
3 = körper spalte
4 = arm spalte
5 = kopf spalte
die spalte 1, die hier als "support" spalte bezeichnet wird, hat die besondere funktion, gewichtsübertragungen (z.b. schritte) aufzuzeichnen. es werden in dieser spalte veränderungen des gewichtszentrums aufgezeichnet. hier wird auch vermerkt, welcher teil des körpers gewicht trägt (im normalfall die füße), trägt kein teil gewicht (sprung), so ist diese spalte leer.
alle anderen spalten dienen zum aufzeichnen von gesten. gesten sind alle bewegungen, die ohne gewichtsbelastung auf dem jeweiligen körperteil ausgeführt werden. ist ein bein z.b. zur seite in die luft gestreckt und soll nun nach hinten geführt werden, so gehört diese bewegung in die spalte 2. im unterschied zu der "support" spalte heißt hier ein leerraum, daß keine aktion in dem jeweiligen körperteil abläuft und somit für dieses körperteil in der beziehung zu dem teil des körpers am dem es "hängt" alles beim alten bleibt.
man kann beliebig viele spalten benutzen, die jeweilige spalte wird dann durch ein körperzeichen vor der jeweiligen bewegung für diesen teil des körpers gewidmet. die spalten 1,2 und 4 müssen im normalfall nicht gewidmet werden. steht hier kein körperzeichen, so gilt als bekannt, daß mit spalte 1 die füße das gewicht tragen, in spalte 2 die beingesten aufgezeichnet werden, und in spalte 4 die armgesten (würde man auf den händen laufen so würde man das in die spalte 1 zusammen mit einem körperzeichen schreiben).
a = strich an anfang des liniensystems
b = ausgangshaltung
c = doppelstrich für den beginn der bewegung
d = kurzer strich für den schlag innerhalb des takts
e = strich für den takt
f = doppelstrich für das ende der bewegung
g = große zahlen für die taktnummer
h = kleine zahlen für die einzelnen zählzeiten (im ersten takt)
gibt es keine spezifische ausgangshaltung, so beginnt das liniensystem bei c. oft wird ein aufgezeichnetes stück über mehrere liniensysteme fortgesetzt, dann macht man einen einfachen taktstrich statt des doppelstrichs am ende des einzelnen liniensystems, um anzuzeigen, daß die bewegung weiter geht. am anfang des liniensystems, in dem die bewegung fortgesetzt wird, macht man ebenfalls nur einen einfachen taktstrich.
es gibt noch einige andere zeichen zum strukturieren des liniensystems,
vor allem künstliche taktstriche zur phrasierung und verschiedene
wiederholungszeichen.
3. zeiteinteilung, richtungssymbole, positionszeichen
in die einzelnen spalten des liniensystems schreibt man zeichen
die anzeigen, in welche richtung sich das jeweilige körperteil
bewegen soll. die länge des symbols gibt den zeitraum an, in dem
die bewegung von ihrem ansatz bis zum ende ausgeführt wird.
hier ein beispiel für die einfachste art der bewegungsaufzeichnung,
den "action stroke". er zeigt nur an, daß eine aktion in einem
bestimmten körperteil abläuft und in welchem zeitraum diese abläuft.
in diesem beispiel ist es in takt 1 schlag 1 und schlag 2 eine
gewichtsverlagerung auf das rechte bein, dann in takt 1 schlag
3 bis takt 2 schlag 1 eine gewichtsverlagerung auf das linke bein.
danach in takt 2 schlag 2 steht nichts in der "support" spalte
- also erfolgt hier ein sprung, gleichzeitig macht das rechte
bein eine geste und die arme bewegen sich. am schuß ist eine aktion
in beiden beinen, so daß am ende das gewicht auf beiden beinen
lastet.
es gibt neun horizontale richtungssymbole die von dem rechteck
abgeleitet wurden.
p = place - am platz
f = forward - nach vorne
b = backward - nach hinten
l = left - nach links
r = right - nach rechts
lf = left forward - nach links vorne
rf = right forward - nach rechts vorne
lb = left backward - nach links hinten
rb = right backward - nach rechts hinten
diese zeichen werden durch drei arten von füllungen in der vertikalen
modifiziert.
u = up, high - nach oben, hoch - das zeichen wird schraffiert
m = middle - in der mittleren ebene - das zeichen wird mit einem
punkt versehen
d = down, low - nach unten, niedrig - das zeichen wird schwarz
ausgefüllt
hier noch einmal das beispiel, jetzt mit richtungssymbolen. am
anfang habe ich eine ausgangsposition eingeführt. die person steht
auf ihrem linken bein, das rechte bein ist diagonal nach hinten
gerichtet. (der kleine haken an dem hinten unten zeichen modifiziert
die richtung so, daß das bein den boden mit der fußspitze berührt.
da dieses zeichen in der gestenspalte steht ist kein gewicht auf
dem bein.) der rechte arm ist senkrecht nach oben gerichtet. der
linke arm ist zur seite gerichtet. der doppelstrich über das liniensystem trennt die vorbereitende haltung von der bewegungssequenz ab.
die person macht einen schritt nach vorne auf das rechte bein in mittlerer ebene und einen schritt nach vorne auf das linke bein in mittlerer ebene. danach springt die person vom linken bein auf beide beine. während des sprungs wird das rechte bein diagonal nach vorne unten (auf 45 grad) geführt und die arme aus ihrer position, die sie die ganze zeit gehabt haben, senkrecht nach unten. für den rechten arm, der sich am anfang senkrecht nach oben gerichtet befindet, muß man eine bewegung über zur seite rechts explizit schreiben, da die regeln der labanotation vorsehen, daß die bewegung auf dem kürzesten weg erfolgt, wenn es nicht anders geschrieben wird (d.h. hier: am körper nach unten). deshalb steht hier zur seite rechts und unten am platz, wobei die symbole mit einem bogen verbunden sind, d.h. das diese bewegungen wie eine bewegung ausgeführt werden sollen.
p = place - am platz
f = forward (in front of) - vor
b = backward (behind) - hinter
l = left (of) - links von
r = right (of) - rechts von
lf = left forward (of) - links vor
rf = right forward (of) - rechts vor
lb = left backward (of) - links hinter
rb = right backward (of) - rechts hinter
diese zeichen werden durch drei arten von köpfen in der vertikalen
modifiziert.
u = up (above) - über - hohler kreis als kopf
m = middle (of) - in mitten - ein stich als kopf
d = down (below) - unter - ein schwarzer kreis als kopf
die positionszeichen werden verschieden angewendet.
1 = als zeichen das die richtung des körpers im raum angibt. der
pin wird in ein quadrat geschrieben.
2 = als zwischenposition, der pin gibt an, daß die tatsächliche
richtung 1/3, von der durch das richtungssymbol angegebenen richtung,
in die durch den pin angegebenen richtung, abweicht. der pin wird
in das richtungssymbol geschrieben, ggf. wird in ausgefüllten oder
schraffierten richtungssymbolen ein leerraum gelassen, damit man
den pin erkennen kann.
3 = es können auch durch kombination von zwei pins zwischenpositionen
(vor allem für die raumrichtung) angegeben werden.
4 = als verhältniszeichen eines körperteils zu einem anderen bzw.
zur körpermitte. der pin wird neben das betreffende körperteil geschrieben (hier der rechte fuß ist
vor dem linken fuß - fünfte position). so kann man z.b. angeben
ob der rechte arm vor oder hinter dem körper nach links gerichtet
wird.

armgesten mit den richtungszeichen
von links nach rechts: am platz tief; zur seite tief; zur seite
mitte; zur seite hoch; am platz hoch; nach vorne hoch; nach vorne
mitte; nach vorne tief.

beingesten mit den richtungszeichen
in den beingesten kann man am platz tief in der regel nur in sprüngen
schreiben - ansonsten ist der boden im weg (es sei denn das bein
wäre gebeugt). alle anderen zeichen werden analog zur den armgesten
gedeutet.
armgeste mit zwischenrichtungen
reicht die auflösung von 45 grad nicht, um die bewegung hinreichend
exakt aufzuschreiben, so setzt man positionszeichen in die richtungszeichen
um eine abweichung von 1/3 zu erzielen. man kann auch zwei richtungszeichen
benutzen. schreibt man einem punkt vor das zweite zeichen heißt
das: halb in die zweite richtung. wenn man das auch noch mit den
pins kombiniert hat man eine auflösung von 7.5 grad.
bodenberührung des fußes in tiefen gesten
mit bestimmten haken an den tiefen richtungszeichen kann man anzeigen,
daß das bein nicht in die luft auf 45 grad gerichtet ist, sondern
den boden mit einem teil des fußes berührt.
a = ganze ferse, b = halbe ferse
c = ganzer fuß
d = 1/8 ballen, e = 1/4 ballen, f = 1/2 ballen, g = ganzer ballen
h = zehen, i = zehenspitze, j = zehennagel
die extremitäten sind nicht immer gestreckt, um den grad der kontraktion
(beugung) oder der krümmung anzugeben, gibt es spezielle raummasszeichen die man vor die raumrichtungszeichen schreibt - dazu unten mehr.
es können im grunde nur fünf dinge geschehen:
1. es bleibt wie es ist.
2. das gewichtszentrum wird verlagert.
3. das gewicht wird übertragen - schritte.
4. kein körperteil trägt das gewicht - sprung.
5. das gewichtszentrum rotiert - drehung.
5.1. körper pause
soll im gewichtszentrum alles so bleiben wie es momentan ist oder
soll ein körperteil das grade gewicht trägt weiterhin gewicht
tragen, so setzt man das körper pause- ("hold weight") zeichen ein.
a = das gewicht ist auf beiden beinen, die beine sind gestreckt.
beide arme sind am platz nach unten gerichtet.
b und f = soll das gewicht auf beiden beinen (oder auf jeder körperseite
auf einem gewichttragenden körperteil) bleiben, so schreibt man
das körper pause zeichen (der kleine kreis) auf die mittellinie.
c = jede aktivität in einer der support spalten (oder eine aktivität
in der zum haltezeichen gehörenden gesten spalte) hebt dieses
pause zeichen auf.
d = soll das gewicht auf einem körperteil bleiben, so schreibt
man das pause zeichen über in die rechte oder linke support spalte.
e = soll das gewicht von einem bein auf beide beine gebracht werden,
so muß man das pause zeichen in die support spalte des körperteils
schreiben das bereits gewicht trägt.
g = eine aktion in den zum haltezeichen gehörenden gesten spalten,
ohne eine aktion oder ein pause zeichen in einer support spalte,
zeigt einen sprung an.
5.2. verlagerung des gewichtszentrums
ein körper ist im gleichgewicht solange sich das gewichtszentrum
über jener fläche auf dem boden befindet, die durch den bodenkontakt
der gewichtstragenden körperteile eingegrenzt wird. innerhalb
dieser fläche kann man das gewichtszentrum sowohl horizontal als
auch vertikal verlagern. in der regel geschieht das vertikal durch
kontrairen und extendieren der gewichtstragenden körperteile.
a = ausgangsposition: das gewichtszentrum ist auf mittlerer höhe,
es ruht auf beiden beinen (=>die beine sind gestreckt). die arme
sind zur seite tief.
b = das gewichtszentrum wird nach unten verlagert. um das zu erreichen
müssen die beine gebeugt werden.
c = das gewichtszentrum ist nach unten verlagert.
d = das gewichtszentrum wird nach oben verlagert. um das zu erreichen
müssen die beine gestreckt werden und es wird auf halbe spitze
gegangen (ballenstand).
e = das gewichtszentrum ist nach oben verlagert.
f = der kleine kreis bedeutet körper pause ("hold weight") d. h.
der nachfolgende leerraum ist kein sprung sondern das gewicht
bleibt wo es ist (auf beiden beinen).
5.3. gewichtsübertragung - schritte
das gewicht kann entweder auf zusätzliche, weniger oder andere
körperteile übertragen werden.
a = ausgangsposition: das gewichtszentrum ist auf mittlerer höhe
und ruht auf dem linken bein. auf dem rechten bein ruht kein gewicht
und es hat auch kein bodenkontakt (es ist leicht angehoben). die
arme sind am platz tief.
b = das gewicht wird vom linken bein auf beide beine verlagert.
dazu wird das rechte bein aufgesetzt und mit gewicht belastet.
c = das gewichtszentrum wird nach vorne hoch auf beide knie verlagert
(die körperzeichen vor den richtungszeichen in den support spalten zeigen das an).
d = das gewicht bleibt auf dem rechten knie, das linke bein wird
nach hinten mitte angehoben. der rechte arm wird nach vorne mitte
gebracht, der linke arm zur seite mitte.
schritte sind übertragungen des gewichts von einem körperteil auf ein anderes körperteil (z.b.: beim gehen von einem fuß auf den anderen).
a = sehr langsame schritte (ein halbschritt pro takt)
b = sehr schnelle schritte (ein schritt pro viertel) zunächst auf
tiefer ebene - mit gebeugten knien (im plié) wie groucho marx.
dann auf mittlerer ebene - normale schritte. dann auf hoher ebene
- schritte auf halber spitze.
c = balancé: schritt mit rechts zur seite ins plié. schritt auf
das linke bein am platz ins plié vorne (zeigt der pin an) - dazu
das rechte bein sur le cou-de-pied hinten (das kleine x vor der
beingeste ist ein raummasszeichen. schritt auf das rechte bein am platz ins plié hinten - dazu
das linke bein sur le cou-de-pied vorne. im nächsten takt das
ganze zur anderen seite.
d = menuettschritt: arme diagonal nach vorne unten. schritt auf
das rechte bein auf halbe spitze. auf ganzen fuß absetzen. drei
kleine (halb-)schritte links, rechts, links - auf halber spitze.
zum schluß auf ganzen fuß absetzen.
5.4. sprünge
bei sprüngen lastet für einen kurzen moment auf keinem körperteil
gewicht, daher ist in diesem moment die support spalte leer.
es gibt fünf grundformen von sprüngen:
a = jump von beiden füßen auf beide füße.
b = leap von einem fuß auf den anderen.
c = hop von einem fuß auf den selben.
d = assemblé von einem fuß auf beide füße.
e = sissonne von beiden füßen auf einen fuß.
die länge des leerraums zeigt die höhe des sprungs an. wenn die
beine während des sprungs etwas besonderes machen (z.b. zur seite
geführt werden oder battiert werden soll) so schreibt man das
in die gestenspalte.
5.5. drehungen
drehungen können um verschiedene achsen erfolgen, am häufigsten
wird um die längsachse rotiert. ein autoreifen rotiert um die
links-rechts achse, wenn ein mensch ein rad schlägt dann rotiert
er um die vorne-hinten achse.
hier die zeichen für drehungen um die längsachse:
a = drehung nach rechts. gelenkzeichen: extremitätenzeichen: körperbereiche: gebiet, oberfläche und kanten von hand und fuß: es gibt noch mehr zeichen für körperteile, z.b. um teile des gesichts
oder teile von händen und füßen zu bezeichnen.
a = engezeichen ("contraction") für enge bewegungen diese zeichen können auch mit richtungen kombiniert werden, die
enge- und weitezeichen modifiziert man mit strichen, die anderen
zeichen werden entsprechend der richtung gedreht. i = dreidimensionales zusammenziehen (z.b. wenn die hand zu einer
faust geformt wird) c - h = beispiel für die verwendung der enge- und weitezeichen: i = beispiel für die analyse einer handhaltung: o = ein beispiel für den einsatz des akzentzeichens: das vorzeichen wird in doppellinien eingeschlossen, es gilt immer
dann wenn nichts abweichendes angegeben wird. möchte man später
etwas aufzeichnen was so interpretiert werden soll wie es geschrieben
steht ohne berücksichtigung des vorzeichens so verwendet man ein
* (sternchen).
b = drehung nach links.
c = beliebige drehung oder keine drehung (je nach anwendung).
d = man kann sich die drehrichtung merken wenn man sich an der
spitze solche pfeile denkt.
e = mit hilfe von pins wird der grad der drehung angegeben, hier
ein 1/4 drehung nach rechts.
f = eine 3/4 drehung nach links.
g = eine 1/4 drehung nach rechts - der pin ist abhängig von der
drehrichtung.
h = eine beispiel für eine kurze sequenz: ausgangsposition - fünfte
(sagt der pin in der supportspalte aus) rechtes bein vorne. der
körper ist in die linke diagonale gerichtet - "croisé" (sagt der
pin links neben dem liniensystem im kästchen aus). eine 1 1/4
drehung nach rechts auf dem rechten bein, linkes bein sur le cou-de-pied,
enden in der fünften - rechtes bein vorne - "effacé". dann eine
zweifache drehung auf rechts nach links - der rest wie vorher.
i = fünfte rechtes bein hinten, halbe drehung nach rechts auf beiden
beinen (das zeichen für die drehung ist in beiden supportspalten).
nun ist das rechte bein vorne (als ergebnis der drehung), plié,
sprung mit halber rechts-drehung (aktionszeichen in den beingestenspalten
+ drehung in beiden supportspalten = sprung), enden im plié.
6. körperteile
möchte man die bewegung eines spezifischen teils des körpers aufzeichnen
so widmet man eine spalte für dieses körperteil. die labanotation
hat ein differenziertes system um jedes teilchen des körpers zu
bezeichnen.
hier einige zeichen zur beschreibung welches körperteil gemeint
ist:
a = kopf
b = rechte schulter c = rechter ellbogen d = rechte hand (knöchel)
e = rechte hand f = rechte finger g = rechter daumen
h = hüfte i = knie j = knöchel
k = fuß l = zehen m rechtes knie
durch einen doppelstrich wird aus einem gelenkzeichen ein extremitätenzeichen.
n = hals o = arm p = bein
q = rechter oberarm r = rechter unterschenkel
durch ein kästchen kann man einen bestimmtes gebiet angeben.
s = brustkasten t = taille u = becken v = schultern w = ganzer torso
durch pins kann man das gebiet (oberfläche) noch genauer bezeichnen.
x = oberer vorderer brustbereich
ein offenes kästchen wird dazu benutzt.
y = handfläche oder sohle z = daumenkante oder großzehenkante.
7. quantitätszeichen - wie (wird etwas ausgeführt)?
wenn nichts besonderes vermerkt ist, sollen alle bewegungen normal
ausgeführt werden, mittels der raummasszeichen kann man dies modifizieren. will man akzentuierte bewegungen
haben (z.b. händeklatschen) verwendet man akzentzeichen. will man einen besonderen bewegungsstil aufzeichnen so kann
man mittels vorzeichen die bewegungen insgesamt modifizieren.
7.1. raummasszeichen
will man angeben ob ein schritt weit oder kurz ist, ob die arme
oder beine gebeugt oder gestreckt sind verwendet man raummasszeichen.
1,2,3,4,5,6 = grad des zeichens - von ein wenig im 1. grad bis vollständig
im 6. grad (z.b.: eine armgeste mit dem zeichen a1 vor dem richtungszeichen wird mit leicht gerundetem arm ausgeführt)
b = weitezeichen ("elongation") für weite bewegungen
c = krümmen ("folding")
d = geraderichten ("unfolding")
e = schließen ("joining") - für laterale bewegungen
f = spreizen ("spreading") - für laterale bewegungen
g = engezeichen 1. grades über vorne; - über vorne rechts;
weitezeichen 1. grades über hinten; - über links.
h = krümmen 1. grades über vorne; - über vorne rechts;
geraderichten 1. grades über hinten; - über links.
j = dreidimensionales weiten
a = extremitäten die mit denn enge- und weitezeichen gekennzeichnet
sind werden auf einem graden pfad entlang der hauptrichtung dieser
extremitäten gebeugt oder gestreckt.
b = extremitäten die mit denn "folding" und "unfolding" - zeichen
gekennzeichnet sind werden auf einem von der hauptrichtung dieser
extremitäten ausgehenden gebogenen pfad gekrümmt oder geradegerichtet.
d = schritt mit leicht gebeugten knie auf das rechte bein (der
grad der beugung - abstand des gewichtszentrums zum boden wird
mit einem enge- oder weitezeichen neben dem richtungszeichen angegeben, das richtungszeichen gibt den
ungefähren "level of support" an).
e = ebenso mit dem linken bein, das rechte bein geht ins sur le
cou-de-pied.
f = sprung - beiden beine gestreckt (weitezeichen vor dem richtungszeichen) rechtes bein tief vorne, linkes bein tief
hinten - beide beine sind etwas nah zusammen (engezeichen neben den richtungszeichen).
g = landen auf rechtem bein mit leicht gebeugtem knie (engezeichen
neben dem richtungszeichen).
h = zwei (räuml;ich) kurze schritte (engezeichen vor den richtungszeichen).
die hand ist dreidimensional maximal eng zusammengezogen, der
zeigefinger und der mittelfinger (punkte am fingerzeichen) sind
gestreckt und die beiden finger sind gespreizt.
7.2. akzentzeichen
um die dynamik von bewegungen angeben zu können verwendet man
akzentzeichen.
a = ein leichter akzent (es wird nur ein leiser oder kein ton erzeugt
falls ein körperteil mit einem anderen oder dem boden in berührung
kommt)
b = ein starker akzent (es wird ein ton erzeugt falls ein körperteil
mit einem anderen oder dem boden in berührung kommt)
c = einen noch stärkeren akzent kann man mit mehreren akzentzeichen
ausdrücken.
d = eine passive bewegung.
e = eine schüttelnde bewegung.
f = hebung mit schwung.
g = schwer - mit gewicht - reaktion auf die schwerkraft.
h = stark.
i = zart.
j = entspannt.
k = betont.
l = nicht betont.
m = elastisch (federn).
n = stark elastisch (federn).
drei kurze stampfende schritte, danach drei mal in die hände klatschen
(zu den kontaktbögen weiter unten).
7.3. vorzeichen (key signatures)
um global eigenarten eines bestimmten stils angeben zu können
verwendet man vorzeichen (key signatures) vor dem score.
hier zum beispiel ein vorzeichen für ballett:
die beine sind auswärts gedreht und gestreckt, die ellbogen leicht
einwärts gedreht und gerundet.
8. verbindungsbögen
um anzugeben das etwas mit etwas anderem in zusammenhang steht,
verwendet man (wie in der musik) bögen.
8.1. vertikale bögen
vertikale bögen geben an, das etwas zeitlich zusammen geschehen
soll, zeigen phrasierungen an, schließen körperteile in bewegungen
mit ein oder fügen bewegungsqualitäten hinzu.
a = ein runder bogen ("simultaneous action bow") der verschiedene
körperteile verbindet zeigt an, daß die aktionen gleichzeitig
ablaufen (hier: bein diagonal nach vorne tief und gleichzeitig
den fuß diagonal nach vorne hoch - "flex").
b = ohne bogen laufen die aktionen nacheinander ab (hier: erst
bein diagonal nach vorne tief dann fuß diagonal nach vorne hoch).
c = ein runder bogen ("phrasing bow") der gleiche körperteile verbindet,
zeigt die phrasierung von bewegungen an (hier: arm von unten über
vorne nach oben, dann arm von oben über hinten nach unten).
d = das gleiche, aber jetzt in einer statt zwei phrasen.
e = hier zeigt der bogen ("simultaneous action bow") eine überlappung
von zwei aktionen an (hier: arm nach vorne, in der zweiten hälfte
der armbewegung bereits damit beginnen den unterarm nach seite
links mitte zu bringen, in der zweiten hälfte der unterarmbewegung
den rest des arms nicht mehr bewegen).
f = steht ein zeichen für ein körperteil im bogen so heißt das,
dieses teil führt die bewegung (hier: der ellbogen führt die drehung).
g = ein bogen mit abgerundeten ecken zeigt an, daß ein körperteil
in die bewegung mit einbezogen wird (hier: die schulter wird bei
der armbewegung mitbewegt).
h / i = ein viereckiger bogen fügt einen aspekt zu einer bewegung hinzu
(hier: alle bewegungen werden akzentuiert ausgeführt. bzw.: alle
bewegungen sind räuml;ich kurz).
es gibt grundformen von bögen, die in ihrer einfachen form für
eine kurzzeitige raumbeziehung stehen:
a = grundform des bogens für "address" - schaut oder zeigt z.b.
jemand auf etwas so wird dieser bogen benutzt.
b = grundform des bogens für "near" - etwas ist in räuml;icher
nähe ohne es zu berühren.
c = grundform des bogens für "touch" - etwas berührt etwas (z.b.
das händeklatschen oben).
d = grundform des bogens für "suport" - wird gewicht aufgenommen,
z.b. bei hebungen wird dieser bogen verwendet.
diese grundformen werden verschieden variiert:
e = durch ein raummasszeichen - durch das engezeichen wird größere nähe angezeigt so ist z.b.
die berührung hier ein greifen.
f = durch doppelte linien - sie zeigen eine "vorüberstreifende"
(passing, sliding) beziehung an (z. b. hände aneinander abwischen).
g = durch ein "hold" zeichen - für anhaltende raumbeziehungen. diese beziehung gilt
bis sie explizit aufgehoben wird.
9. pfade, bodenwege, bodenpläne
es gibt zwei arten um die wege und positionen im raum aufzuzeichnen,
direkt im liniensystem oder bei komplexeren wegen in bodenplänen.
a = ein grader pfad.
b = ein runder pfad nach rechts-drehend.
c = ein grader pfad nach links.
d = ein kleiner viertel-kreis nach rechts.
e = drehend auf gradem pfad (z.b. beim walzer).
f = ein größer werdender runder pfad (spirale) nach links.
a = symbole für die anfangsposition der darsteller (girl boy person).
b = symbole für die endpositionen der darsteller (sie werden verwendet
wenn es notwendig erscheint die endposition zu klären).
c = ein beispiel für einen bodenplan, das viereck ist zum zuschauerraum
offen. unter dem bodenplan stehen die taktnummern.
d = zeichen für die angabe der position im raum.
e = ein positionszeichen mit weitezeichen gibt eine position außerhalb
der bühne an.
f = ein positionszeichen mit engezeichen steht für die nähe zur
bühnenmitte.
g = die kombination von positionszeichen ergibt zwischenpositionen.
h = pins an den positionszeichen unterteilen die einzelnen bühnenbereiche
weiter.
10. nachwort
dies war nun ein kurzer einblick in die labanotation, es gibt
noch zeichen die ich hier nicht beschrieben habe und viele, viele
details. eine bewegungsschrift muß so einfach wie möglich und
so komplex wie nötig sein - labanotation erfüllt diese anforderungen.
die sprache des menschlichen körpers ist komplex und es wird nicht
möglich sein sie mittels von computern befriedigend zu simulieren,
bevor nicht auch informatiker ihre versuche von groben vereinfachungen,
in der simulation und notation von bewegung, aufgeben und sich
die erfahrungen die, in den letzten siebzig jahren (und den jahrhunderten
davor), in der tanzschrift gesammelt wurden zunutze und zu eigen
machen.
wer mehr über labanotation erfahren will sollte sich das buch
von ann hutchinson "labanotation" beschaffen.
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